Wikipedia-Eintrag für Unternehmen – Vorgehensweise, Vorteile und Risiken in der Online-Enzyklopädie

Von Johnny | SEO

Okt 31
Wikipedia-Eintrag für Unternehmen

Ein Online-Lexikon als Marketing-Werkzeug? Das klingt erst einmal abenteuerlich. Wer jedoch seine eigene Webseite stärken will, weiß genau, wie wichtig eine gute Verlinkung im Internet ist. Deshalb ist es für viele Unternehmen durchaus wünschenswert, mit der eigenen Firma auf Wiki vertreten zu sein. Wie lässt sich erfolgreich ein Wikipedia-Eintrag für Unternehmen erstellen? Welche Herausforderungen ergeben sich? Das alles klärt dieser Beitrag.

Schaut man sich die Anleitung für einen „Neuen Artikel anlegen“ auf Wikipedia an, sieht das gar nicht so kompliziert aus. Gut übersichtlich und mit praktischen Tipps werden diese Schritte für den Einsteiger angeführt:

„Neuen Artikel anlegen“ auf Wikipedia – offizielle Vorgehensweise

  • 1. Schritt: Artikelnamen überprüfen
  • 2. Schritt: Relevanz überprüfen
  • 3. Schritt: Belege sammeln
  • 4. Schritt: Artikeltitel (Lemma) und Erstellungsort (Namensraum) wählen
  • 5. Schritt: Artikel schreiben
  • 6. Schritt: Vorschau und Zusammenfassung
  • 7. Schritt: Einordnung
  • 8. Schritt: Beobachte den Artikel

Vor allem der letzte Punkt ist besonders zentral, denn hier heißt es nicht umsonst: „Wenn es hart auf hart kommt und der Artikel gelöscht wird, dann reg dich bitte nicht darüber auf und sei nicht enttäuscht.“ Vermutlich ist die Löschung der Beiträge von Erstautoren sogar die Regel auf Wikipedia. Wie kann das passieren? Neue Einträge werden vor allem dann entfernt, wenn sie den erfahrenen Wiki-Autoren und den noch mächtigeren Administratoren nicht zusagen.

Bedeutung der Relevanzkriterien für neue Einträge auf Wikipedia

Völlig beliebig läuft das glücklicherweise nicht ab. Die grundsätzlichen Kriterien, die ein Eintrag auf Wikipedia zu erfüllen hat, werden relativ deutlich von der Plattform formuliert. Zentral sind dabei die sogenannten Relevanzkriterien, die bestimmen, was rein darf – und was eben nicht. Die Kriterien sind an sich stimmig, wenngleich sie auch immer wieder für Diskussionsstoff sorgen.

Vor einigen Jahren wurde beispielsweise debattiert, warum das Thema „Professorin“ keinen eigenen Wiki-Eintrag haben darf, sondern unter „Professor“ eingefügt werden musste. Demgegenüber erhält ja beispielsweise jede Simpsons-Folge einen ausführlichen eigenen Artikel, was enzyklopädisch sicher diskutabel ist. Ein neuer Beitrag auf Wiki muss aber nun einmal relevant im Sinne der Plattform sein. Darüber hinaus ist es sehr bedeutsam, das Thema so scharf wie nur möglich zu formulieren, damit keine Überschneidungen zu anderen Artikeln entstehen. Hinzu kommt die Wichtigkeit von Belegen, die gerade für Firmeneinträge zentral sind.

Hinweise und Geheimtipps: der erfolgreiche Wikipedia-Eintrag für Unternehmen

Wer gerade seine kleine GbR gegründet hat, braucht aus Relevanzgründen gar nicht an einen eigenen Wikipedia-Artikel zu denken? Das stimmt nicht ganz. Generell haben vor allem größere Firmen eine Chance, einen eigenen Eintrag zu generieren. Denn Wiki formuliert die Anforderungen für relevante Wirtschaftsunternehmen sehr klar – diese müssen:

  • mindestens über 1.000 Vollzeitmitarbeiter verfügen
  • einen Jahresumsatz von mehr als 100 Millionen Euro haben
  • an einer regulären Börse im In- oder Ausland gehandelt werden
  • mindestens 20 Betriebsstätten (z.B. Zweigniederlassungen) besitzen
  • „bei einer relevanten Produktgruppe oder Dienstleistung eine marktbeherrschende Stellung oder innovative Vorreiterrolle haben“

Für verschiedene Branchen wie Banken oder Brauereien gibt es noch spezifischere Kriterien. Damit wird die Liste der Unternehmen für Wikipedia sehr überschaubar? Ausschlaggebend ist es, dass die angeführten Kriterien nicht alle erfüllt sein müssen, sondern dass schon eines ausreichen kann. Gerade für kleinere Startups, zum Beispiel im Online-Bereich, bringt der letzte Punkt oft die Rettung.

Wer gerade eine neuartige App entwickelt hat, dürfte damit schon innovativer Vorreiter sein. Auch ein mittelständischer Maschinenbauer, der ein besonderes Verfahren für ein Nischenprodukt entwickelt hat, verdient damit eine Erwähnung auf Wiki.  Also sofort mit dem Erstellen eines Eintrages loslegen? Kleinen Moment noch… Hier sind die in unseren Augen wichtigsten Geheimtipps für nachhaltige Wikipedia-Einträge:

1. Erst eine Reputation als Wikipedia-Autor erarbeiten oder diese hinzuziehen

Wer bereits zahlreiche, erfolgreiche Artikel auf Wiki verfasst hat, wird viel leichter neue Beiträge hinzufügen können. Natürlich sind die Admins auf der Plattform gerade bei Texten über Unternehmen sehr vorsichtig und sortieren aus, wenn es eindeutig danach aussieht, dass hier die Marketing-Abteilung einer Firma schöne Texte über sich veröffentlichen will. Einige Firmen holen sich deshalb Hilfe bei Wiki-Profis, die es natürlich auch schon gibt.

2. Erst Belege recherchieren bzw. dafür sorgen, dass qualifizierte Belege entstehen

Manche Firmen können auf wissenschaftliche Publikationen zurückgreifen, die das eigene Produkt oder Unternehmen beschreiben. Derartige Quellen gelten nicht nur auf Wikipedia als besonders vertrauenswürdig. Daneben ist die häufigste, akzeptierte Belegquelle das Pressemedium. Wer von vertrauenswürdigen Medien zitiert oder beschrieben wurde, kann dies sehr gut als Quellenangabe in den Wikipedia-Eintrag setzen. Habt ihr noch keinerlei Quellen, die außerhalb eures Unternehmens auf dieses hinweisen, solltet ihr euch erst um entsprechende Öffentlichkeitsarbeit kümmern.

3. Zuerst Informationen und Hinweise in anderen Wikipedia-Artikeln integrieren

Ein weiterer, vielleicht wichtigster Geheimtipp ist die organische Integration in die Online-Enzyklopädie. Nehmen wir wieder das Beispiel eines kleinen, aber innovativen Vorreiters. Wer mit seinem Unternehmen eine neue Technologie entwickelt hat, sollte erst einmal versuchen, Hinweise darauf in die entsprechenden Themenartikel einzubauen. Betrifft eure Innovation z.B. moderne Plasmatechnologie? Dann könnt ihr in einem Artikel zu diesem Thema sinnvoll einfügen, dass die neueste Errungenschaft der Industrie von eurem Unternehmen – sagen wir hier einfach namens Plasma-Helden – stammt. Natürlich muss ich das wiederum mit Belegen aus der Wissenschaft oder Presse belegen können. Wenn diese und bestenfalls weitere Ergänzungen auf Wiki akzeptiert wurden, lässt sich nach einiger Zeit auch leichter ein eigener Eintrag für Plasma-Heros erstellen – der natürlich nochmals die korrekten Belege benötigt.

Vorteile und Risiken eines Firmeneintrages auf Wikipedia

So mühsam der Weg zum eigenen Unternehmenseintrag auf Wikipedia erscheinen mag – damit ist die Arbeit noch lange nicht getan. Sie endet eigentlich nie. Insbesondere übermäßig positive Wiki-Beiträge werden schnell gelöscht oder korrigiert. Manchmal sogar so kritisch, dass ich mir als Unternehmer die Frage stellen muss, ob der Beitrag überhaupt noch imagefördernd ist.

Wikipedia ist diesbezüglich, ganz im Geiste des Erfinders, gnadenlos demokratisch. Alle Nutzer können einen Firmenartikel bearbeiten und das Endergebnis ist fast nie mit der Ursprungsversion identisch. In vielen Fällen sind Firmenbeiträge nach einiger Zeit recht ausbalanciert.

Das heißt zugleich, dass ein großer Skandal in der Unternehmensgeschichte irgendwann auf Wiki landen wird.

Größere Unternehmen haben eigene Mitarbeiter in der PR-Abteilung, die regelmäßig die Veränderungen auf Wikipedia beobachten und notfalls für Richtigstellung sorgen. Denn auch die Konkurrenz hat Zugriff auf meinen Eintrag und möchte vielleicht besonders meine Schwächen hervorheben.

Hier kommt es dann zu regelrechten Argumentationskriegen auf der Plattform.

Für Anfänger empfiehlt es sich, Firmenbeiträge kurz und knapp zu halten. Je neutraler die Beschreibung erscheint, desto weniger Gründe haben andere User, Gegendarstellungen oder Kritikpunkte zu formulieren.

Ist denn ein Beitrag mit wenigen Sätzen über meine (kleine) Firma überhaupt noch etwas wert? Auf jeden Fall! Zum einen wirken Unternehmen, die einen Wikipedia-Eintrag haben, seriös – solange die Beschreibung nicht völlig negativ ist. Zum anderen bedeutet ein Link, der von Wikipedia zu meiner Unternehmenswebseite führt, kostenloses Online-Marketing. Die Online-Enzyklopädie hat eines der weltbesten Rankings auf Google und Co. Ein Wiki-Link zu meiner Webseite stärkt meine Suchmaschinenpositionierung enorm und bringt oftmals auch neue Besucher.

Zusammenfassung:

Wikipedia versteht sich nicht als Marketing-Plattform und deshalb ist es für Unternehmen schwer, dort einen eigenen Eintrag zu erhalten. Wer jedoch die Relevanzkriterien für Firmen erfüllt und strategisch vorgeht, hat gute Chancen in der Online-Enzyklopädie erwähnt und verlinkt zu werden. Werbende Beschreibungen scheitern oft oder rufen imageschädigende Reaktionen hervor, die schlimmstenfalls für Jahre im Netz bleiben. Stattdessen empfiehlt sich eine neutrale Präsenz mit Verlinkung auf Wikipedia, die sich bereits sehr positiv auf das Online-Marketing auswirken kann.

Bildquelle: https://pixabay.com/de/muffins-wikipedia-feier-dekoriert-617720/

Über den Autor

Johnny ist Experte für Online-Marketing, seine Spezialgebiete sind Suchmaschinenoptimierung (SEO), Content-Strategien und Blogger-Networking. Wenn er nicht gerade selbst Texte verfasst oder redigiert, meditiert er über Analyse-Tools für Marketing-Kampagnen, Webseiten und Influencer.

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